Zweiter Brief meines Vaters

 

Nacht, 17.08.2000

Hi, [mein Spitzname]!

Du möchtest wissen, was ich denke?!
Deine Email hat mich glücklich und stolz gemacht! Ähh?? Ja, du hast schon richtig gelesen, obwohl es paradox erscheint.
Ich bin stolz darauf, dass ich ein so großes Vertrauen von dir genieße. Und glücklich darüber, dass wir damit anfangen können, dein Leiden zu beenden.
Hermann Hesse: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben."
Sieh den gestrigen Tag einfach als Neubeginn an. Dein Leben ist noch lang und es wird viele, viele glückliche Tage und Jahre geben, in denen man auch schwerste Krisen und Leiden bewältigen kann, weil man sie eben bewältigen muss.
Zum Sterben sind solche Krisen nicht gedacht, nur zur Stärkung für bessere Zeiten.
Hinfallen darf jeder und auch stürzen. Nur aufstehen muss jeder wieder.

Mama und ich lieben Euch beide [auch meine Schwester], so wie ihr seid, und wir freuen uns, dass wir euch haben.
Ein reibungsloses Leben gibt es eben nicht.
So, mein Herz, habe jetzt ein bisschen weniger Angst, weil wir es schaffen werden.
Wenn du dich heute nicht traust, Helmuth [Vorname meines Hausarztes] zu fragen, übernehme ich es, ihn oder jemand anderen vorab zu fragen, wie wir dich wieder zu einem glücklichen Mädchen machen können.

Sei mir nicht böse, dass ich das Gedicht nur überflogen habe,. (Es tat so weh.)

In Liebe, dein Papa.

 

Noch ein Brief