Ich sitze vor meinem PC... Ich sehe mir
verschiedene Homepages an... Alle handeln von SVV... Alle enthalten original
Fotos, die aufgeschnittene Arme, gebrandmarkte Beine, leicht geritzte Leiber,
Blut in Tropfen, Blut in Steifen, Blut in Tüchern etc zeigen. Ich stelle mir
Fragen...
Ich mache mir meine Gedanken... Überlege wie es bei mir war... wie ist es wohl
bei den Anderen...?
1. Warum stellt man die
Fotos seiner Verletzungen, ohne Bearbeitung durch Farben oder Veränderung, auf
seine Homepage?
Weil man zeigen möchte, wie schlimm man es macht? Wie sehr es blutet? Wie tief
die Schnitte sind? Wenn man diese Bilder bearbeiten würde, dann wäre es nicht
mehr so real. Man würde das Blut nicht mehr als Blut erkennen.
Man würde die Wunden als Kunst sehen, nicht als zugefügte
Schmerzen. Nicht als Leid. Bilder mit offenen Verbrennungswunden würden
bei anderen keinen Schauder auslösen. Kein Mitleid erregen. Kein
"Konkurrenzdenken" hervorrufen. ...Konkurrenzdenken... gibt es so was unter
SVVlern? Ich kann mir vorstellen, dass viele Mädchen (weniger die Jungen) solche
Gedanken haben. Die Mädchen, die sich schneiden, weil sie Aufmerksamkeit
erzwingen wollen. Ist es wie in der Schule? Möchte man auch beim SVV der "Beste"
sein? Der, der am tiefsten schneidet? Der, der am meisten blutet? Der, der die
meisten Narben und Wunden hat? Selbstverletzung ist ein trauriges und für
Aussenstehende unfassbares Verhalten. Wenn man die Gründe erzählt, die einem zu
SVV geführt haben, können Aussenstehende besser begreifen. Aber wenn man sagt,
dass man nicht weiss warum man es tut... dass es keine Gründe dafür gibt... Was
glauben die Aussenstehenden dann? Sie glauben, dass man Aufmerksamkeit möchte.
Viel Aufmerksamkeit. Die Bilder der Wunden verlangen nach Aufmerksamkeit - nicht
nach Aufklärung, wie es bei den meisten Homepages steht. Ich persönlich mag
solche Bilder nicht. Das liegt daran, dass sie zu "hart" sind. Zu hart für
Menschen, die sich selbst verletzen, und zu hart für Menschen, die es nicht tun.
Es ist einfach zu viel. Ist es Verführung? Oder Abschreckung? Ich denke, nein
ich weiss, für SVVler ist es Verführung. Für Aussenstehende ist es keine
Abschreckung, sondern widerlich.
Mir gefallen Bilder, die zwar SVV zeigen, aber nicht in ihrer Wirklichkeit.
Nicht in vollem Ausmaße.
2. Gibt es Gründe, die
einem die Anordnung der Schnitte vorgeben?
Es gibt Bilder im Internet, die zeigen die Anordnung der Narben wie Parallelen.
Sie sitzen nebeneinander auf den Armen. Dicht zusammen. Keine gerät aus dem
Ruder. Man hat das Gefühl ein Schnitt verfolgt den anderen. Eine Narbe die
andere. Es gibt nur eine Größe, nur eine Länge. Wie kopiert befinden sich die
Ritze auf den Armen. Schneiden solche Menschen mit Überlegung?
Wollen sie, dass es trotz späterer Narben ästhetisch
aussieht?
Die andere Art der Schnitte ist willkürlich. Die Wunden sind kreuz und quer.
Dick und dünn. Es gibt kein Muster und keine Anordnung. Schneiden solche
Menschen ohne zu überlegen, wie es später aussehen wird? Wie die Narbenbildung
sein wird? Egal wie es aussieht - sie wollen und müssen
schneiden.?
3. Sucht man sich einen bestimmten Platz für die zukünftigen Narben?
Der Ort der Schnitte... ist das auch wichtig? Am Bein, wo man es nicht sieht? Am Unterarm, damit jeder es sehen kann? Am Oberarm, damit man die Narben im Sommer noch verstecken kann? Wer setzt wo die Klinge an? Selbsthasser dort, wo man die Wunden nicht sieht?! Menschen, die Aufmerksamkeit suchen dort, wo jeder sie sehen kann?! Ich habe es hauptsächlich am Oberarm getan. Das kann man auch noch mit kurzen Ärmeln verstecken. Fast jedes Körperteil hat mal den Schmerz gespürt. Zweimal der Unterarm. Dort sind auch jetzt noch 2 Narben. Mein Oberarm ist übersäht mit Dicken und Dünnen. Langen und Kurzen. Keiner sollte meine Wunden sehen. Keiner sollte bemerken, was ich tat. Denn ich tat es für mich, gegen mich. Nicht, damit andere etwas sagen konnten. Schließlich wollte ich mich bestrafen, weil ich mich verachtet habe. Andere hatten mit der Sache nichts zu tun. Sie sollten nichts damit zu tun haben.
Diese Fragen und Antworten sind Gedanken, die mir entsprungen sind. Mag sein, dass der ein oder andere ganz anders darüber denkt.