16.08.2000

Danke für deine E-Mail. Ich dachte, als ich sie heute Mittag gelesen hab, es wäre ein Traum. Ich hatte den Brief zwar schon geschrieben, doch ich wollte ihn auf deinen Schreibtisch im Geschäft legen. Ich hatte ihn auf meinem Schreibtisch gelegt, weil ich ihn Mittwoch mit in den Laden nehmen wollte.
Nun gut, jetzt habt ihr den schon gelesen.  mnemo sagte, dass es doch so viel besser sei, weil ich mich dann nicht selber überwinden muss ihn abzugeben bzw irgendwo hinzulegen. Einerseits bin ich froh, dass ihr "es" endlich wisst, anderseits nicht. Du hast zwar gesagt, unsere Familie hält immer zusammen, egal worum es geht, aber dieses Thema ist mir doch etwas "peinlich" wir konnten immer über alles reden, doch über das Thema wollte und konnte ich nicht reden. Ich werde heute zu [Name meines Hausarztes] gehen, und ich werde ihn auf das Schneiden ansprechen... Ich möchte ihn fragen, ob er einen Arzt kennt. Ich möchte von selber aus zu einem Arzt, denn ich kann das Schneiden nicht wirklich kontrollieren... ich habe auch Angst dorthin zu gehen, da ich weiss, dass ich alles von mir erzählen muss. Außerdem fühle ich mich dann wie eine psychisch Gestörte. Doch ich gebe zu, etwas bin ich gestört. Nicht verrückt, aber ich denke nicht so, wie man denken "sollte". Bitte versteh mich, und sage du mir, Papa, was du über mich denkst.
Was habt ihr denn gedacht, als ihr den Brief gelesen habt?!
Es kommt mir immer noch wie ein Traum vor. Als ob eine magische Hand den Brief an euch weitergeleitet hat, weil diese Hand weiss, ich hätte ihn vielleicht nicht abgegeben... so, ich werde jetzt Schluss machen, und hoffe ich bekomme ne Mail von dir, wenn du Zeit zu schreiben hast.
Bis dahin... deine (eure) Mandala [natürlich wieder mein echter Name]

Noch ein Gedicht von mir geschrieben: [Das Gedicht Blutige Liebe]

 

Zweiter Brief meines Vaters