Ein Engel in letzter Minute

Marion war ein Mädchen, dass in ihrer Vergangenheit sehr viel Leid ertragen musste. Die Schmerzen aus der vergangenen Zeit kamen immer wieder hoch, wenn sie alleine war. Allein in ihrem Zimmer konnte sie über alles nachdenken, was sie erlebt hatte und was sie gerne erleben würde. Da sie mit der Zukunft erträumen schon sehr viele Tränen verlor, waren es in einsamen Stunden, doch die verletzen Tage, über die sie nachdachte. In so einer stillen Situation machte sie ihre Vergangenheit wieder zur Gegenwart. In ihren Gedanken kreisten die höllischen Qualen die sie erlitt. Sie erfuhr Schmerz, der ihr zugefügt worden ist noch einmal und sie erweckte alle Stunden des Grauens wieder zum Leben. Viele Tränen flossen, viele Schreie stießen aus ihrer Kehle. Der Selbsthass kam hervor. Sie hasste sich und ihr Leben. Konnte in der Zeit des Alleinseins alle Schmerzen in ihrer Seele fühlen - alle Wunden in ihrem herzen spüren.
Marion baute Aggressionen auf, die sie gegen sich richtete. Gegen sich und ihr verdammtes Leben. Ja, es war verdammt. Von wem nur?! Sie wurde in ihrem tiefen Inneren dazu gezwungen Sachen zu tun, die sie eigentlich nicht wollte. Sie selber hatte die Kontrolle über das, was sie sagte. Sie sagte JA... nicht zu allem sagte sie ja, aber zum Sex. Sie sagte JA obwohl sie NEIN meinte. Diese zwei simplen Worte konnte sie nicht trennen. Sie konnte nicht zwischen JA und NEIN unterscheiden. Es waren für sie Worte wie Essen und Trinken. Beide gehörten zusammen. Diese konnte Marion einfach nicht trennen. Wenn Marion zum Mittag aß, trank sie um das Essen runterzuspülen. Beim Sex sagte sie JA um das NEIN runterzuspülen. Dann stellte sich für Marion die Frage: Warum wollte sie das NEIN runterspülen?! Um dem Mann einen Gefallen zu tun? Um nicht als "Spielverderber" dazustehen? Um Erfahrungen zu sammeln, die sie eigentlich auch mit Freunden erleben konnte? -Eine Antwort fand Marion nicht, auch wenn sie in den stillen Minuten , die sie hat, darüber nachdachte. Sie überlegte und kämpfte vergebens um eine Antwort dieser verflixten Frage. Marion merkte schon nach kurzer Zeit, dass es keine Antwort gab, und hörte auf zu forschen. Der Hass kam hoch, weil sie einfach unfähig war, eine Lösung für ihre Probleme zu finden. Sie fing an ihre Gefühle zu hassen, ihre Gedanken, ihren Körper, ihr Leben. Sie wollte sich vernichten. Marion zerstörte ihren Körper durch Messer, Klingen, Scherben, Zigaretten... Den Körper, den sie verkaufte. Für nichts. Nur für Seelenschmerz und Selbsthass, den sie ab da mit sich trug. Marion war immer ein fröhliches Mädchen, das ihr Leben und ihre freunde liebte. Seit sie angefangen hat Sex zu haben ist alles anders. Marion denkt, dass Sex zum Leben gehört, bildet sich ein Liebe und Sex trennen zu können. Immer wieder sagt sie sich: Sex ist Sex und Liebe ist Liebe. Doch innerlich ist es ganz anders. Sie sehnt sich nach Geborgenheit und Wärme.
Als Marion eines Tages wieder über ihr scheiß leben nachdachte begegnete ihr ein Engel. Ein Engel aus Fleisch und Blut. Ihr schon längst verlorenes Vertrauen war wieder da. Dem Engel konnte sie alles anvertrauen, ohne Angst zu haben, dass ihre Gedanken und Gefühle an die Öffentlichkeit geraten. Auch der Engel erzählte ihr Dinge, die er erlebt hatte. Erzählte von seinen Ängsten, von seinen träumen und Wünschen. Zwischen den beiden ist eine Verbindung entstanden, die kein anderen nachempfinden konnte. KEIN Fremder konnte fühlen, welche Spannung zwischen Marion und dem Engel lag. Für das Mädchen war es Liebe - für den Engel war es Liebe. Liebe, die Marion nie erfahren hatte. Gefühle traten aus ihrem Bewusstsein, die bis dahin für verschollen galten.
Jeden Tag, jede Nacht begegneten sie sich in Stille und in Liebe. Eine besonders starke und intensive Liebe war es, die beide verband. In Worte konnten sie es selten fassen, wie sehr die Beiden sich gern hatten. Nur ein Gefühl im Bauch und im Herzen brachte, die für Marion nicht verdiente Liebe, ans Tageslicht. Keine Geste, keine Worte waren passend für ihre Gefühle.
Marion fing an Angst für diese Liebe zu entwickeln. Eine Angst, die auch er empfand. Marion aus dem Aspekt, dass sie zuvor noch nie lieben durfte. Wenn sie geliebt hatte kam es aus dem Kopf, nicht aus dem Herzen. Sie war diese Art von empfinden nicht gewohnt, wusste nicht damit umzugehen. In ihr stauten sich alle Gefühle, die sie in der Vergangenheit nicht ausleben konnte auf, und waren kurz vor dem explodieren. Marion wand sich vor Sehnsucht und Angst auf ihrem bett, wenn sie den Engel sah und spürte. Und doch konnte sie ihn nicht berühren. Der Engel gab Marion das Gefühl wie kein anderer, gebraucht zu werden. Der Engel brauchte Marion um auch seine Sehnsüchte zu realisieren. Er brauchte Marion um seine Liebe ausdrücken zu können. Nur für sie gebrauchte er sein herz.
Marion und der Engel spürten schon nach sehr kurzer Zeit, dass sie füreinander bestimmt waren. Nur der Engel konnte Marion geben, was sie suchte. - Geborgenheit und Wärme. Nur der Engel verstand sie, wenn sie von Angst und Hass redete. Dieses Gefühl ließ Marion leben. Gerne leben. Und wenn sie sich wieder einmal einsam und verlassen fühlt, ist der Engel für sie da. Er hält sie im Arm, streichelt sie - liebt sie. Ohne Marions Vergangenheit wäre der Engel wohl nie zu ihr gekommen um ihr zu zeigen wie wichtig sie für die Welt ist. Nur durch den Engel ist Marion zum Lieben noch fähig. Sie ist zum Lieben noch fähig. Fähig ist sie noch. Sie darf lieben. Sie darf leben. Damals hat sie nicht gelebt, nicht geliebt. Doch nun, nun liebt sie... den Engel. Nun kann sie anfangen zu leben. Zu leben, um zu lieben... ihren Engel zu lieben!!!